Mittwoch, 22. Februar 2017



Atemlos 

Atemlos, die Hände zum Himmel und mit einem Pferd auf dem Flur, wache ich morgens auf. Das ist heftig. 

 
Wie bitte kommt das jetzt in meinen Kopf? Oh Mann! Ich tanze aus der Dusche. Die Zahnbürste surrt. Als ich schließlich das Make-up im Spiegel kontrolliere, denke ich „Tätä, Tätä, Tätä, Tusch!“


 

Also erstmal Koffein einwerfen, um diese Gedankenschleife zu durchbrechen. Ich drücke aufs Knöpfchen, die Maschine mahlt, knurrt, zirpt und funzt und ich denke Ey da drin müsste Musik sein!
 
Unsere Katze sitzt halb verfroren nach nächtlichem Streifzug vor der Tür und maunzt. Naaaa, wolle me se neinlasse? 

Heiliger Strohsack, das kann ja heiter werden heute. In der Karnevalszeit geht mein Musikgeschmack total den Bach runter. Nichts ist mehr wie es war. Ich habe nur Schlagersch….limmes im Kopf. Und still sitzen oder stehen kann ich auch nur schlecht. 

An der roten Ampel staut es sich. Mit der zweiten Phase rutsche ich über die Kreuzung und erwische mich, wie ich summe Die Karawane zieht weiter, dä Sultan hätt Dooscht, dä Sultan hätt Dooscht, dä Sultan hätt Dooscht!
 
Als ich im Büro ankomme, hege ich die Hoffnung, dass sich die Schlagerschleife im Kopf mit dem Checken der Mails erledigt hat. Weit gefehlt! Eine Kollegin winkt mich heran und schon singt mein Stammhirn Und dann die Hände zum Himmel, komm lass uns fröhlich sein!

Ich gebe auf. Hat keinen Zweck. Gut, bin ich also fröhlich. Und zwar genauso lange, bis mir der erste Kunde am Telefon ein wenig quer kommt. Drink doch ene mit, stell disch nit esu ann!
 
Ruhe in der Leitung. Hilfe? Hab ich laut gedacht? Ich habe doch wohl nicht laut gedacht???  

KREISCH! (leise, innerlich!) 

Nee, habe ich nicht. War wohl ne Kunstpause oder so. Glück gehabt. 

Danach steht ein Meeting im Kalender. Wer weiß, wie Meetings manchmal ablaufen, wird verstehen können, warum es in dem Moment in mir klingt: Komm hol das Lasso raus, wir spielen Cowboy und Indianer. Das Meeting läuft entsprechend, self-fulfilling prophecy sozusagen.  

Okay, runterkommen. Ich steuere die Kaffeeküche an, dröppel mir ein bisschen Milch in die schwarze Plörre, als zwei Kolleginnen die gleiche Idee haben. Und direkt trällert mein Singvogel im Kopp: Echte Fründe ston zesamme. Mein Hirn spielt Schlager-Schrottwichteln. Oh weia!
 
Vielleicht hilft ja essen. Stulle hilft bekanntlich in allen Lebenslagen. Nicht aber unbedingt Käsestulle, wie ich direkt merke. Der Clown im Ohr stimmt freudig an: Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse, denn dann geht sie los unsere Polonäse, nach Blankense bis hinter Wuppertal. Oh Gottlieb! 

Ich glaube, ich muss einfach mal raus an die frische Luft. So verbringe ich die Mittagspause dann auch mit einem Walk trough the park. Ein beschwingter Zweibeiner, graumeliert, entspannte Haltung, selbstsicherer Gang, Lachfalten im vital gebräunten Gesicht kommt mir entgegen und schon geht meine innere Playlist mit mir durch. I'm in love with your body!

Die Frischluft hat jetzt auch nicht wirklich für Durchzug im Oberstübchen gesorgt. Dann also zurück und erstaunlicherweise ist da ein Menschenauflauf auf dem Parkplatz. Hä? Was ist denn hier los? Da wo ich herkomm, wohnen nur ein paar Tausend Menschen.
 
Am Ende des Tages gebe ich auf. Karneval setzt einfach meinen üblichen Musikgeschmack komplett außer Gefecht. Vermutlich habe ich mir sowas wie Schlager-Schwurbel eingefangen. Was soll’s? Karneval ist einfach Ausnahmezustand. Und im Grunde ist es doch so: It's only human.

Ich wünsche Euch eine bekloppt-jecke Zeit! Lasst es krachen!

Eure Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe 

Fotos und Text: ©Andrea Steffen

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